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HausEnergieKompass

Wärmepumpe oder Gasheizung: 20 Jahre

Redaktion HausEnergieKompass Zuletzt geprüft: Quellen: 7

Wer heute eine alte Heizung ersetzt, steht oft vor der Frage: Wärmepumpe oder Gasheizung? Eine pauschale Antwort gibt es nicht, weil das Ergebnis an wenigen Größen hängt, die sich ändern können: Strom- und Gaspreis, Effizienz der Wärmepumpe, Zuschuss und die künftigen Pflichten für Gasheizungen. Dieser Beitrag stellt beide Systeme über 20 Jahre gegenüber, mit offenen Annahmen und vier Preisszenarien. So sehen Sie, unter welchen Bedingungen welches System günstiger ist, und können die Rechnung mit Ihren eigenen Werten wiederholen.

Mit dem Heizkostenvergleich rechnen Sie die Szenarien mit Ihrem Verbrauch und Ihren Tarifen nach.

Was den Vergleich entscheidet

Vier Stellgrößen bestimmen das Ergebnis. Erstens die Anschaffung: Eine Wärmepumpe kostet in der Regel mehr als ein Gaskessel, wird aber von der KfW bezuschusst. Zweitens der Energiepreis: Laut Destatis zahlten private Haushalte im 1. Halbjahr 2026 im Durchschnitt 37,97 ct/kWh für Strom und 11,58 ct/kWh für Erdgas. Drittens die Effizienz: Die Jahresarbeitszahl (JAZ) gibt an, wie viele Kilowattstunden Wärme eine Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde Strom macht. Viertens die Rechtslage: Neue Gasheizungen müssen ab 2029 steigende Anteile ihrer Wärme aus Biomethan oder ähnlichen Brennstoffen erzeugen.

Das Verhältnis der Energiepreise ist dabei der Kern. Bei den Destatis-Werten kostet Strom rund das 3,3-Fache von Gas. Eine Wärmepumpe mit einer JAZ über diesem Wert hat geringere Energiekosten als ein Gaskessel mit 100 % Nutzungsgrad; weil ein realer Kessel weniger erreicht, liegt die Schwelle in der Praxis etwas niedriger. Je besser die JAZ und je günstiger der Strom, desto deutlicher der Vorteil.

Was die Effizienz im Bestand bestimmt

Das Umweltbundesamt hat Wärmepumpensysteme in Bestandsgebäuden untersucht (Climate Change 11/2024). Für neu installierte Wärmepumpen im Bestand schätzt die Studie eine mittlere JAZ von 3,1. In einer Beispielrechnung für ein Einfamilienhaus erreicht eine Standard-Wärmepumpe bei 55 °C Norm-Vorlauftemperatur eine JAZ von etwa 3,0. Müssen die Heizkörper mit 70 °C versorgt werden, sinkt sie auf 2,4; bei 45 °C steigt sie auf 3,45. Ausschlaggebend ist also, wie warm das Heizwasser an kalten Tagen werden muss.

Auslegungs-VorlauftemperaturAnteil am Gebäudebestandgeschätzte JAZ
über 65 °C10 %2,3
55 bis 65 °C37 %2,7
45 bis 55 °C30 %3,3
35 bis 45 °C10 %3,8
unter 35 °C13 %4,2

Stand: UBA Climate Change 11/2024, Tabelle 3; geprüft am 5. Oktober 2026.

Für den Vergleich heißt das: In knapp der Hälfte der Gebäude liegt die geschätzte JAZ unter dem Preisverhältnis von 3,3, in der anderen Hälfte darüber. Wer mit einer JAZ von 2,7 rechnen muss, braucht einen günstigeren Stromtarif, einen Zuschuss oder steigende Gaspreise, damit die Wärmepumpe vorn liegt. Oft lässt sich die nötige Vorlauftemperatur senken, etwa durch den Tausch einzelner Heizkörper oder einen hydraulischen Abgleich. Wie Sie das für Ihr Haus einschätzen, erklärt der Beitrag zur Wärmepumpe im Altbau.

Rechtslage: Bio-Treppe, CO2-Preis und Förderung

Gasheizung: Seit dem 29. Juli 2026 gilt das Gebäudemodernisierungsgesetz. Nach § 43 GModG müssen neu eingebaute Gas-, Öl- und Flüssiggasheizungen ab 2029 einen Mindestanteil an Biomethan, biogenem Flüssiggas oder Wasserstoff nutzen. Die Details erklärt der Beitrag zu den neuen Regeln für Heizungen.

AbMindestanteil der Wärme aus Biomethan, Bioöl, biogenem Flüssiggas oder Wasserstoff
01.01.202910 %
01.01.203015 %
01.01.203530 %
01.01.204060 %

Stand: § 43 Abs. 1 GModG in der Fassung ab 29. Juli 2026; geprüft am 5. Oktober 2026.

CO2-Preis: Erdgas unterliegt dem nationalen Emissionshandel. Nach § 10 Abs. 2 BEHG gilt 2026 ein Preiskorridor von 55 bis 65 € je Zertifikat (eine Tonne CO2). Für 2027 regelt § 10 Abs. 3 BEHG einen Übergang zu einem marktbasierten Preis, der sich an Versteigerungen nach dem Treibhausgas-Emissionshandelsgesetz orientiert; eine Höhe nennt das Gesetz nicht. Wie sich das auf den Gaspreis auswirkt, ist offen. Wir bilden das deshalb als Szenario ab, nicht als Prognose.

Förderung: Die KfW fördert nach dem Merkblatt 458 unter anderem Wärmepumpen, Biomasse- und Solarthermieanlagen. Eine reine Gasheizung steht nicht auf der Liste; bei wasserstofffähigen Heizungen werden nur die Mehrkosten gefördert. Grundförderung und Boni erklärt der Beitrag zur KfW-458-Förderung für die Wärmepumpe.

Wärmepumpe oder Gasheizung: Vollkostenvergleich über 20 Jahre

Annahmen (Beispielwerte, keine Marktpreise): selbstgenutztes Einfamilienhaus, Ersatz einer funktionstüchtigen Gasheizung, deren Inbetriebnahme mindestens 20 Jahre zurückliegt (Voraussetzung für den Klimageschwindigkeitsbonus), Antrag und Einbau Ende 2026; Wärmebedarf 18.000 kWh pro Jahr; Gas-Brennwertkessel mit 90 % Nutzungsgrad, also 20.000 kWh Gas; Wärmepumpe mit JAZ 3,1 nach dem UBA-Mittelwert, also 18.000 kWh ÷ 3,1 = rund 5.806 kWh Strom. Anschaffung Wärmepumpe 32.000 €, abzüglich KfW-Zuschuss von 46 % (30 % Grundförderung und 16 % Klimageschwindigkeitsbonus, ohne Einkommensbonus) auf den Förderhöchstbetrag von 28.000 € für die erste Wohneinheit (Antrag vor dem 1. Februar 2027), also 12.880 €; Eigenanteil 19.120 €. Anschaffung Gaskessel 12.000 €, ohne Zuschuss. Für den biogenen Anteil der Gasheizung nehmen wir einen Aufschlag von 5 ct/kWh an. Preise bleiben über 20 Jahre konstant; keine Abzinsung, keine Wartung, keine Grundpreise.

Biogas-Aufschlag über 20 Jahre (2027 bis 2046): 2 Jahre 0 %, 1 Jahr 10 %, 5 Jahre 15 %, 5 Jahre 30 %, 7 Jahre 60 % ergeben in Summe 6,55 Jahresanteile. 20.000 kWh × 0,05 €/kWh × 6,55 = 6.550 €.

SzenarioEnergiekosten pro Jahr WP / Gas20 Jahre Wärmepumpe20 Jahre GasheizungDifferenz
A: Destatis-Preise (Strom 37,97 ct, Gas 11,58 ct)2.204,54 € / 2.316,00 €63.210,80 €64.870,00 €WP rund 1.660 € günstiger
B: Wärmepumpentarif 28 ct, Gas 11,58 ct1.625,68 € / 2.316,00 €51.633,60 €64.870,00 €WP rund 13.240 € günstiger
C: Gas 3 ct teurer (14,58 ct), Strom 37,97 ct2.204,54 € / 2.916,00 €63.210,80 €76.870,00 €WP rund 13.660 € günstiger
D: Strom 45 ct, Gas 11,58 ct2.612,70 € / 2.316,00 €71.374,00 €64.870,00 €Gas rund 6.500 € günstiger

Stand: eigene Berechnung; Preise Destatis 1. Halbjahr 2026; Szenariopreise, Anschaffung und Biogas-Aufschlag angenommen; KfW-Sätze Merkblatt 458; geprüft am 5. Oktober 2026.

So entsteht der Wert für Szenario A:

  1. Wärmepumpe: 5.806 kWh × 0,3797 €/kWh = 2.204,54 € pro Jahr; × 20 = 44.090,80 €; + 19.120 € = 63.210,80 €
  2. Gasheizung: 20.000 kWh × 0,1158 €/kWh = 2.316,00 € pro Jahr; × 20 = 46.320,00 €; + 12.000 € + 6.550 € = 64.870,00 €

Ein fünftes Szenario zeigt die Rolle der Effizienz: Erreicht die Wärmepumpe nur eine JAZ von 2,6, braucht sie rund 6.923 kWh Strom. Bei Destatis-Preisen kostet das 2.628,66 € pro Jahr und über 20 Jahre mit Anschaffung 71.693,20 €. Dann liegt die Gasheizung rund 6.820 € vorn.

Variante mit Einkommensbonus

Annahmen: wie Szenario A, zusätzlich ein zu versteuerndes Haushaltsjahreseinkommen bis 40.000 €. Dann kommen nach dem Merkblatt 30 % Einkommensbonus hinzu. Grundförderung und Boni ergäben zusammen 76 %, die Obergrenze liegt in dieser Einkommensstufe aber bei 70 %.

  1. Zuschuss: 28.000 € × 70 % = 19.600 €
  2. Eigenanteil: 32.000 € − 19.600 € = 12.400 €
  3. 20 Jahre Wärmepumpe: 12.400 € + 44.090,80 € = 56.490,80 €

Gegenüber der Gasheizung mit 64.870,00 € liegt die Wärmepumpe dann rund 8.380 € vorn. Bei einem Einkommen bis 30.000 € beträgt die Obergrenze bis zu 80 %; wie sich der Zuschuss dann berechnet, erklärt der Beitrag zur KfW-Förderung.

Was die Szenarien bedeuten

Im Basisszenario trennen beide Systeme nach 20 Jahren nur rund 1.660 €, bei Gesamtkosten von über 60.000 €. Das ist weniger als die Unsicherheit der Annahmen. Die Entscheidung fällt daher an den Stellschrauben, die Sie beeinflussen oder einschätzen können:

  • Stromtarif: Ein günstiger Wärmepumpentarif oder das reduzierte Netzentgelt für steuerbare Verbrauchseinrichtungen verschiebt das Ergebnis deutlich zugunsten der Wärmepumpe (Szenario B).
  • Gaspreisentwicklung: Steigt der Gaspreis, etwa durch den CO2-Preis ab 2027, gewinnt die Wärmepumpe (Szenario C).
  • Effizienz: Muss die Wärmepumpe mit hohen Vorlauftemperaturen arbeiten, sinkt die JAZ und die Gasheizung kann günstiger sein.
  • Förderung: Mit Einkommensbonus sinkt der Eigenanteil der Wärmepumpe deutlich; ohne Zuschuss stiege er im Beispiel auf 32.000 €, und die Wärmepumpe läge über 20 Jahre bei 76.090,80 €.
  • Nicht enthalten: Wartung, Schornsteinfeger und der Grundpreis für den Gasanschluss, der bei einer Wärmepumpe entfallen kann.

Wie sich die Betriebskosten einer Wärmepumpe im Detail zusammensetzen, zeigt der Beitrag was eine Wärmepumpe im Betrieb kostet.

Entscheidungshilfe in fünf Fragen

  1. Wie hoch muss die Vorlauftemperatur an kalten Tagen sein? Nach der UBA-Tabelle liegt die geschätzte JAZ bei 45 bis 55 °C bei 3,3, darüber bei 2,7 oder weniger.
  2. Erhalten Sie den Klimageschwindigkeits- oder Einkommensbonus?
  3. Bietet Ihr Versorger einen Wärmepumpentarif oder Ihr Netzbetreiber das Netzentgeltmodul nach § 14a EnWG an?
  4. Wie lange wollen Sie im Haus bleiben? Über kurze Zeiträume wiegt die Anschaffung schwerer.
  5. Sind Sie bereit, ab 2029 Biomethan-Anteile einzukaufen, und wie würden Sie deren Preis absichern?

Häufige Fehler und was sich ändern kann

  • Nur die Anschaffung vergleichen. Über 20 Jahre machen die Energiekosten den größten Teil aus.
  • Mit dem Strompreis von heute bis 2046 rechnen, ohne Szenarien. Rechnen Sie mindestens mit einem höheren und einem niedrigeren Preis.
  • Bio-Treppe übersehen. Sie gilt für Gasheizungen, die nach dem 29. Juli 2026 eingebaut werden.
  • JAZ aus dem Prospekt übernehmen. Laborwerte sind keine Jahresarbeitszahl im eigenen Haus.
  • Förderung nach Vertragsunterschrift beantragen. Ohne aufschiebende Bedingung im Vertrag entfällt der Zuschuss.

Ab dem 1. Februar 2027 sinken laut KfW-Merkblatt Klimageschwindigkeitsbonus und Förderhöchstbetrag halbjährlich. Den für das erste Quartal 2027 angekündigten Wertschöpfungsbonus hatte die KfW bis zum 5. Oktober 2026 weder mit Starttermin noch mit Nachweisregeln veröffentlicht. Ob und wie stark der CO2-Preis 2027 steigt, hängt vom europäischen Emissionshandel ab. Förderbedingungen ändern sich; maßgeblich sind die Unterlagen der KfW zum Zeitpunkt der Antragstellung.

Fazit für die Wahl zwischen Wärmepumpe und Gas

Ob Wärmepumpe oder Gasheizung günstiger ist, entscheiden im Beispiel weniger die Geräte als Strompreis, Gaspreis und Effizienz. Bei Durchschnittspreisen liegen beide nah beieinander; mit Wärmepumpentarif, Zuschuss und steigendem CO2-Preis spricht die Rechnung für die Wärmepumpe, bei hohen Vorlauftemperaturen und teurem Strom für Gas. Klären Sie zuerst mit einer Energieberatung die nötige Vorlauftemperatur. Holen Sie dann Angebote für beide Systeme ein und rechnen Sie Ihre Werte im Rechner für den Heizkostenvergleich nach. Auskunft zur Förderung gibt die KfW, zu Verbraucherrechten beim Stromtarif die Bundesnetzagentur.

Häufige Fragen (FAQ)

Wird eine neue Gasheizung gefördert?

Nein, eine reine Gasheizung steht nicht auf der Liste der förderfähigen Heizungstechnik im KfW-Merkblatt 458. Gefördert werden dort unter anderem Wärmepumpen, Biomasse- und Solarthermieanlagen; bei wasserstofffähigen Heizungen nur die Investitionsmehrkosten. Stand: 24. September 2026.

Wie hoch ist der CO2-Preis für Gas 2026?

Nach § 10 Abs. 2 BEHG gilt für 2026 ein Preiskorridor von 55 bis 65 € je Emissionszertifikat, also je Tonne CO2. Für 2027 sieht das Gesetz einen Übergang zu einem marktbasierten Preis vor, eine feste Zahl nennt es nicht. Der CO2-Preis steckt bereits im Gaspreis Ihres Versorgers.

Ist eine Wärmepumpe im Altbau immer teurer als Gas?

Nein. Entscheidend ist die Jahresarbeitszahl, und die hängt vor allem von der nötigen Vorlauftemperatur ab. Im Beispiel liegt die Wärmepumpe bei einer JAZ von 3,1 knapp vorn, bei 2,6 dagegen hinten. Ob Ihr Haus mit niedrigen Vorlauftemperaturen auskommt, lässt sich vorab prüfen.

Was kostet eine neue Gasheizung ab 2029 zusätzlich?

Ab 2029 muss eine nach dem 29. Juli 2026 eingebaute Gasheizung einen steigenden Anteil ihrer Wärme aus Biomethan, Bioöl, biogenem Flüssiggas oder bestimmten Wasserstoffarten erzeugen: 10 % ab 2029, 15 % ab 2030, 30 % ab 2035 und 60 % ab 2040. Was diese Brennstoffe kosten, legt das Gesetz nicht fest; im Beispiel nehmen wir einen Aufschlag an.

Amtliche Quellen & Belege

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